Kulturnachfrage

dreamstime_xs_16222303Nachdem wir uns in der vorherigen Sektion mit dem Kulturangebot auseinandergesetzt haben, wenden wir uns nun der anderen Marktseite, der Nachfrageseite, zu. Wir widmen uns der Frage, wer Kulturkonsumenten sind bzw. wodurch sie sich auszeichnen, und wie sich die Nachfrage im Laufe der Zeit verändert hat und aktuell verändert.

 

Kulturkonsumenten

Kulturkonsumenten sind all jene, die irgendein kulturelles Produkt oder eine kulturelle Dienstleistung konsumieren. Das kann der Kino- oder Theaterbesucher genauso sein, wie der Rezipient eines Textes oder der Kunstsammler.

Obwohl es sich bei Kulturkonsum um einen immateriellen Konsum handelt, liegt dem immateriellen Kulturgut doch etwas Materielles zugrunde. Sei es die Leinwand des Malers, das Musikinstrument des Musikers oder die Kamera des Filmschaffenden, jedes immaterielle Kulturprodukt benötigt Materielles um entstehen zu können.

dreamstime_xs_14043491Max Horkheimer und Theodor W. Adorno haben unter anderem die Rolle des Kulturkonsumenten und ihrem Werk Dialektik der Aufklärung im Kapitel Kulturindustrie – Aufklärung als Massenbetrug analysiert. Mit ihrer Annahme des kulturellen Produktes als Ware geht einher, dass es auch einen Abnehmer für dieses geben muss. Der Kulturkonsument übernimmt hier die Rolle des Abnehmers, an dessen Wünsche und Anforderungen sich der Kulturbetrieb anpassen muss, möchte er seine Ware absetzen. Durch diesen Prozess büßt das kulturelle Produkt jedoch seine eigentliche gesellschaftskritische Funktion ein und wird zum simplen Unterhaltungsgut. Glaubt man zahlreichen aktuellen Studien, stimmt die Annahme Horkheims und Adornos mit aktuellen Entwicklungen überein. Kultur wird immer mehr zum Konsumgut, das nur dann Anklang findet, wenn es einen entsprechenden Unterhaltungswert hat. Der Mensch als Kulturkonsument möchte sich möglichst wenig anstrengen, sondern lediglich unterhalten werden. Dies gilt vor allem für die Konsumenten der sogenannten Populär- oder Breitenkultur. Während Hochkultur einen nicht abstreitbaren Bildungsauftrag hat, dienen die Werke der Populärkultur vordergründig einzig und allein der seichten Unterhaltung. Um diese Dychotomie zu verdeutlichen kann man Werke der klassischen Literatur und der klassischen Musik Erzeugnissen der Populärkultur wie etwa Fernsehshows und seichter Belletristik gegenüberstellen. Während Erstere eine Anstrengung des Geistes erfordern und diesen gleichsam anregen, lullen Letztere den Geist nur ein und verschaffen Entspannung sowie eine kurzzeitige Flucht aus der Realität.

Obwohl Hochkultur und Populärkultur ein unterschiedliches Publikum ansprechen, sind beim Konsum selbstverständlich auch Überschneidungen anzutreffen und die Grenzen beider Bereiche zunehmend fließend. Grundsätzlich unterscheiden sich jedoch die Konsumenten dieser beiden Kulturrichtungen. Während Hochkultur ein gebildetes Publikum, das klassische Bildungsbürgertum, anspricht, ist der Konsum von Populärkultur nicht an einen bestimmten Bildungsgrad gebunden. Letztere kann auch ohne viel Hintergrundwissen verstanden werden und hat für sich nicht den Auftrag, den Konsumenten weiter zu bilden, sondern möchte diesen lediglich unterhalten.

 

Veränderung der Kulturnachfrage

Während früher der Unterschied zwischen dem Konsum von Hochkultur und Populärkultur signifikant war, verschwimmen die Grenzen zwischen diesen beiden Bereichen der Kultur zusehends. Dies geschieht vor allem in Richtung der Populärkultur, die verstärkt auch von typischen Anhängern der Hochkultur konsumiert wird. Populärkultur dringt zunehmend in das klassische Bildungsbürgertum ein und verdrängt dort teilweise die klassische Hochkultur als Freizeitbeschäftigung. Dies mag zum einen an der steigenden Tendenz zu anspruchslosen und wenig fordernden Freizeitbeschäftigungen liegen, zum anderen am ausgeklügelten Marketing und Profitstreben des populärkulturellen Bereiches.
Da sich der gesellschaftliche Konsens unter dem Stichwort Spaßgesellschaft immer weiter von anspruchsvollen und auch anstrengend zu konsumierenden Freizeitbeschäftigungen wegbewegt, trifft die dem aktuellen Zeitgeist weit mehr entsprechende Populärkultur auf immer breitere Zustimmung.

dreamstime_xs_18693175Demografischer Wandel spielt eine große Rolle in Bezug auf die Veränderung der Kulturnachfrage. Faktoren wie Wandel der Bevölkerungszusammensetzung, Änderung von Haushalts- und Familienstrukturen sowie Individualisierung und Pluralisierung nehmen eine bedeutende Stellung bei der Veränderung der kulturellen Nachfrage ein. Demografischer Wandel verändert nicht nur die Präferenzen der Konsumenten, sondern auch die Möglichkeiten, die ihnen zur kulturellen Teilhabe bleiben.
Eine große Rolle im Wandel der Kulturnachfrage spielt auch Migration. Migranten haben nicht nur andere kulturelle Vorlieben, sondern bringen auch ihre eigene Kultur in ihr neues Heimatland mit. Somit vergrößert sich das kulturelle Angebot des jeweiligen Landes und die heimische Kultur nimmt neue Einflüsse in sich auf, wodurch wiederum neue kulturelle Werke entstehen.

 

Überblick Kulturwirtschaft:

Kulturgüter und -dienstleistungen

Einzelne Kulturmärkte

Kulturbetriebe als Anbieter

Kulturpolitik

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